Je suis Charlie

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Donnerstag, 8. Januar 2015

Das Leben der Rebecca Jones - Angharad Price





Das Leben der Rebecca Jones von Angharad Price
Verlag : DTV 
ISBN: 9783423280389

Inhalt:


Rebecca Jones wird Anfang des letzten Jahrhunderts in eine kleine ländliche Gemeinde im Maesglasau-Tal in Wales hineingeboren. Ihre Familie hat das Land dort seit über tausend Jahren bewirtschaftet. Drei ihrer Brüder sind von einer genetisch bedingten Blindheit betroffen, und gerade dieses Handicap ermöglicht ihnen den Zugang zu Bildung und Erziehung außerhalb von Wales. Rebecca und ein weiterer Bruder aber bleiben zurück und bewirtschaften die Farm, halten fest an ihrer Sprache und Tradition, der heraufziehenden Moderne zum Trotz. Rebeccas Erinnerungen erreichen uns mit anrührender Würde und Innigkeit. Kraftvoll und poetisch beschwört Angharad Price den Wandel der Zeiten und eines Lebens herauf, ihre Sprache, ihr Stil sind von unvergesslicher Präzision und Anmut. Und am Ende lüftet die Erzählerin ein Geheimnis, das dem Leser den Atem raubt.



Rebecca Jones und ich brauchten einige Zeit, bis wir uns aufeinander einließen. Auch wenn mich ihre schöne Sprache von Anfang an begeisterte, war sie mir manchmal doch ein wenig düster und manches Mal stolperte ich über die Dinge, die ihr das Leben schwer machten und wurde zornig, weil ich ihr Leben zu hart dagestellt fand. Dann wurde mir bewusst, dass ich hier über das Leben eines Menschen lese, der tatsächlich gelebt hat, der genau dieses Leben durchlebt hat - und nicht daran verzweifelt ist. Wie steht es auf Seite 158: "Viele dunkle Stunden habe ich durchlebt. Aber immer wieder wurde es hell. Ich habe gelernt: Haben bedeutet Verlieren. Das ist der Preis."

Und dann wiederum kam der Moment, wo mir bewusst wurde, dass es nicht erst um die Jahrhundertwende (um 1900) beginnt, sondern dass die Familie das Tal bereits seit fast einem Jahrtausend bewirtschaftet, dass sich die Erzählung aber bis in die Zeit weit nach dem Zweiten Weltkrieg hinein erstreckt. Dieser Kontrast zwischen dem Kargen, dem Getragenen und aus der Zeit gehobenen Bild des Tals und des Lebens dort und dem Leben, das sich außerhalb des Tals abspielt, die langsamen Entwicklungen, die sich ihren Weg auch hierhin bahnen, hat mich fasziniert.

Auch die Geschichte der drei blinden Brüder und ihre Lebenswege haben mich sehr bewegt. Ich weiß, dass man auch als Blinder gut leben und auch viel erleben kann, aber vor dem Hintergrund dieser rauen Landschaft, hat es mich sehr beeindruckt, wie die Jungen und späteren Männer ihr Leben gemeistert haben und was sie für sich auch erreicht haben, Wenn der Vater über William sagt, dass seine einzige Behinderung seine Pingeligkeit sei (S.92/93), drückt das aus, was mir beim Lesen auffiel.

Natürlich war das Leben als Blinder nicht einfach und es gibt Stellen, wo man spürt und liest, dass es auch manches Mal hart war, aber dennoch lassen sich die Drei durch ihre Behinderung nicht einschränken - etwas, was mich gerade im Hinblick auf die Zeit damals, sehr beeindruckt.

Doch auch die anderen Mitglieder der Familie sind auf ihre Weise bemerkenswert und auch ihre Einzigartigkeit wird immer wieder deutlich. Deutlich ist auch der starke Zusammenhalt in der Familie, das Miteinander, das sich auch in dem Verständnis desssen, was Familie sein soll ausdrückt: " Was ist eine Familie? Ein Anker, der uns an Ort und Stelle hält, uns sichert bei Sturm und zurückhält bei gutem Wetter. Ein Segen und eine Bürde zugleich - vor allem für die junge Generation und für jene, die nach Freiheit streben." (S. 121)
Ein hartes Leben, ein Leben, das nicht immer gut und nicht immer freundlich ist, das aber dennoch lebenswert und schön erscheint.

Kein einfaches Buch, anfangs haben wir manches Mal ziemlich gekämpft, weil es störrischer war und mir nicht immer das erzählte, was ich hören wollte, aber wenn man sich darauf einlassen kann, ist es ein wunderschönes Buch, das einen immer wieder von Neuem bezaubern kann.

★★★★★

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