Je suis Charlie

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Freitag, 22. August 2014

Das wirst du bereuen - Amanda Maciel




Das wist du bereuen von Amanda Maciel
Verlag : Boje 
ISBN: 9783414824066
 
Der Klappentext:
  
Alle Welt denkt, dass Emma Putnam sich umgebracht hat, weil wir sie Schlampe genannt haben – und nicht weil sie eine Schlampe war. Echt klasse.

Sara und ihre beste Freundin Brielle müssen sich vor Gericht verantworten –
angeklagt, ihre Mitschülerin Emma gemobbt und in den Tod getrieben zu haben.
Dabei war es doch Emma, die sich an Saras Freund Dylan rangemacht hat. Ein
kleiner Denkzettel über Facebook muss da schon drin sein, finden die
Freundinnen. Doch dann verselbstständigen sich die Dinge und plötzlich ist Emma
tot …
Ein Roman, der einen so schnell nicht mehr loslässt


Anfangs dachte ich, ich würde mit dem Buch nicht wirklich warm werden, weil mir die Protagonistin erst sehr unsympathisch war und ich entsetzt war, wie wenig einsichtig sie war. Dann jedoch nahm die Autorin nicht nur ihre Protagonistin Sara, sondern auch mich mit auf ihre Reise zur Erkenntnis, dass keiner nur alleine die Schuld trägt und dass manchmal durchaus auch die Täter in gewisser Weise Opfer sein können, auch wenn dies die Schuld, die sie vielleicht auf sich geladen haben, nicht mindert, aber das Ganze einfach verständlicher macht.

Sara versteht nicht, warum sie und ihre Freunde wegen Mobbens angeklagt sind und alle sie hassen, obwohl es doch Emma war, die durch ihr Verhalten alle und alles proviziert und sich letztlich umgebracht hat. Nicht sie hat Emma erhängt, sondern Emma hat das selber getan und sowieso - Emma war es doch, die mit allen möglichen Jungs etwas angefangen hat und nicht nur Sara ihren Freund ausgespannt hat. Hätte sie Emma deshalb etwa vor lauter Dankbarkeit um den Hals fallen sollen? Außerdem hatte Emma doch schon Probleme, bevor sie auf diese Schule kam, warum sollen Sara und ihre Freunde jetzt für alles verantwortlich sein?

Als Leser schluckt man des Öfteren, wenn man liest, was sich alles zugetragen hat, man schütelt ungläubig den Kopf, man flucht und denkt, dass Sara es doch hätte besser wissen müssen, man begreift nicht, wieso Sara ihrer Freundin Brielle nie Einhalt geboten hat, wenn diese Emma immer mehr und immmer durchtriebener angriff - um letztlich zu erkenne, dass Sara ihrer Freundin nicht entgegenzusetzen hatte. Alle Skrupel, die sie hatte, gingen angesichts von Brielles Überzeugungskraft unter und manchmal verwandelte auch sie selbst sich in jemanden, den man nur sehr schwer gern haben kann, wenn man das alles so liest.
Die Autorin macht ihre Entwicklung jedoch deutlich und man erkennt, dass trotz ihrer Weigerung, alle Schuld auf sich zu nehmen, Sara letztlich diejenige ist, die am meisten und am nachhaltigsten Reue verspürt wegen dem, was passiert ist.

Doch auch die anderen, die vermeintlich "Unschuldigen", werden zu Schuldigen, hier finde ich einen Abschnitt sehr markant:
"Als Mrs Thale uns damals im Englischunterricht beibringen wollte, was Ironie ist, habe ich es nicht so richtig kapiert. Aber jetzt schon. Jetzt, wo ich gemobbt werde, weil ich eine Mobberin bin."

Kein einfaches Buch, kein Buch, das eine schwarz-weiß Lösung parat hält, aber ein gut geschriebenes Buch, das einen nachdenklich stimmt und erkennen lässt, dass es diese einfache Lösung auch nicht gibt.


★★★
 

Kommentare:

  1. Ich habe schon überlegt, mir das Buch zuzulegen, bin aber vor der Thematik eher zurückgezuckt. Eben weil ich glaube, dass es keine leichte Lektüre wird, die auch keine einfachen Antworten geben kann. Trotzdem ist es sicherlich ein sehr gutes Buch, und vielleicht sollte man solche Bücher auch einmal in der Schule lesen, um ein paar Leute wachzurütteln oder das Bewusstsein für Mobbing zu schärfen.

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    1. Wir haben auch "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher, meine Tochter war von dem auch sehr beeindruckt und hat es erst einmal in ihrer Klasse weiter verliehen, weil sie es so gut fand. Das Buch zeigt die Entwicklung ja aus der Perspektive der Gemobbten, hier wird die Perspektive der Mittäterin gezeigt, die selber aber auch zum Teil ein Opfer der Entwicklung ist, die von dem Geschehen einfach mitgerissen wurde. Sie ist nicht unschuldig, auf keinen Fall, aber als Leser muss man zähneknirschend erkennen, dass verständlich ist, warum alles so gelaufen ist. Es ist heftig und es ist emotional. Gerade dadurch stellt es aber antürlich auch eine gute Diskussionsgrundlage dar.
      Meine Tochter hat in der Schule "Nicht Chicago, nicht hier" gelesen, davon abgesehen, dass alle das Buch schrecklich fanden, fand ich es ungeeignet, weil es dem Opfer keinen Ausweg zeigt, sondern eher vermittelt, dass er keine Chance hat, sich zu wehren und auf so einer Note, sollte so ein Buch meines Erachtens nicht enden, zumindest nicht als Antwort auf die vorangegangene Handlung.

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