Je suis Charlie

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Freitag, 8. August 2014

Tribunal - André Georgi








Tribunal von André Georgi 
Verlag : Suhrkamp 
ISBN: 9783518465158
 


Der Klappentext:

Um einen Kriegsverbrecher zu überführen und Tausenden Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, setzt Jasna Brandic ihr Leben aufs Spiel. Ihre letzte Hoffnung ist ein Mann, der über Leichen ging und der sie vor eine schwerwiegende Entscheidung stellt.§Den Haag: Kovac, ehemaliger Kommandant einer Elitetruppe der serbischen Armee, ist wegen Massenmordes angeklagt. Jasna Brandic, Topermittlerin einer internationalen Spezialeinheit, hat nach langen Ermittlungen einen Kronzeugen, der Kovac' Schuld eindeutig beweisen kann. Am Tag der Verhandlung bringt ein Attentat alles zum Scheitern. Jasna steht vor einem Scherbenhaufen.§Da erreicht sie die Nachricht, dass jemand aus Kovac' engstem Kreis bereit ist, gegen seinen ehemaligen Weggefährten auszusagen vorausgesetzt, Jasna schützt ihn vor seinen eigenen Leuten. Sofort reist Jasna nach Belgrad. Gegen den Willen ihrer Vorgesetzten versucht sie, den Mann zu finden und vor das Tribunal zu bringen. Um das zu verhindern, sind Kovac' Anhänger zu allem bereit.



Nachdem ich einige kritische Stimmen zu diesem Buch gehört hatte, ging ich mit einer gewissen Skepsis an "Tribunal" heran, um dann allerdings sehr positiv überrascht zu werden.

Positiv ist hier allerdings relativ zu sehen, positiv war der Sog, in den es mich zog, die Faszination, die ganze erwartungsvolle und spannungsgeladene Stimmung, die sich entwickeln, der Inhalt hat mich allerdings doch auch ziemlich mitgenommen.
Es ist kein gefälliges Bild Serbiens und seiner Geschichte, das der Autor hier zeichnet, sondern ein sehr eindringliches Bild einer furchtbaren Zeit, die die Menschen geprägt und in vielen Fällen auch zerstört hat.

Es ist ein Bild von Folter und Grausamkeit, das hier gezeichnet wird. Diese werden allerdings für mein Empfinden hier noch eher verhalten angedeutet, nicht ausgelebt und in epischer Breite ausgeführt, aber gerade dadurch, durch die Details, die die eigene Fantasie noch beiträgt, sind diese Szenen besonders intensiv. Man sollte nicht zu zartbesaitet sein, wenn man dieses Buch liest, das ist sicher. Viel trägt zu diesem Gefühl allerdings auch das Wissen bei, das sich tatsächlich vieles von den geschilderten Gräueln auch in der Realität abgespielt hat, wenn nicht genauso, doch ähnlich genug.
Es gab die Massaker, es gab die Gräueltaten und noch immer sind längst nicht alle Verbrecher aus dieser Zeit bestraft.
Ein Buch, das mich dazu bringt, die Hintergründe und die Fakten des damaligen Geschehens zu hinterfragen, das mich dazu bringt, meinen PC anzumachen und zu suchen, was ich alles über die Zeit finde, kann nicht ganz schlecht sein, im Gegenteil, ich denke, es hat erreicht, was es wollte: Es fesselt den Leser noch über die eigentliche Geschichte hinaus.

Mit Sicherheit ist der Schreibstil André Georgis nicht jedermanns Fall, er ist schnell, er ist hart, er schwenkt schnell von einem Bild zum anderen und er hat definitiv keine poetischen Töne in seinem Repertoire. Ich bezweifle allerdings auch, dass er das will und ich glaube auch nicht, dass man mit einer zarteren Schreibweise diesem Thema so gerecht würde.
Mich erinnert der Schreibstil ganz klar daran, dass der Autor ein erfolgreicher Drehbuchautor ist, vieles an seinen Schilderungen erinnnert mich an einen Film und lässt auch entsprechende Bilder in mir aufsteigen, Rückblenden, Überblendungen, ein ganzes Kaleidoskop an Bilder steigt beim Lesen auf.

Die Protagonistin Jasna Brandic ist eine sehr starke Persönlichkeit, die den Leser mit sich reisst, wenn sie versucht, den Kronzeugen der Anklage lebend ins Gericht zu bekommen, eine starke, aber dennoch sehr menschliche Persönlichkeit, die die Berichte ihrer Zeugen, insbesondere der weiblichen Zeuginnen, die Opfer der politischen Situation wurden, verinnerlicht hat, sich mit ihnen indentifiziert und versucht, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Jasna ist selber im Einsatz und vor Ort, um Zeugen zu suchen und um Drahtzieher der Grausamkeiten, die damals verübt wurden, vor Gericht zu bringen. Diese Suche wird ihr selber zum Verhängnis und führt sie dorthin, wo der Krieg, über den vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verhandelt wird, noch allzu präsent ist.
Hier finden sich Männer, deren Zeit nicht weitergelaufen ist, die zu viele Grausamkeiten begangen haben, um in einem friedlichen Leben noch zurecht kommen zu können, hier wird noch immer gefoltert und von hier aus wird auch der in Den Haag inhaftierte Anführer Kovac noch unterstützt, der dort auf seine Verhandlung wartet. Und genau hier soll Jasna einen Zeugen finden, der gegen Kovac aussagt.

Gen Ende ging es mir fast ein wenig zu schnell, ich hatte das Gefühl, dass mir irgendetwas entgangen ist, so dass mich das Ende insgesamt ein wenig unbefriedigt zurückließ, insgesamt aber gefiel mir das Buch sehr (sofern man das bei einer derartigen Thematik sagen kann) und ich kann es auf jeden Fall empfehlen!

★★★




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